SERBIEN UND KOSOVO

PRESSEFREIHEIT UNTER DRUCK

Sehen Sie den Dokumentarfilm „Druga Strana – Die andere Seite." Klicken Sie auf die Untertitel, um auf Englisch zu folgen.

Die medienerfahrene serbische Soziologin Milena Maric und der albanische Journalist Idriz Seferi haben im Rahmen eines Filmprojekts unabhängige Lokalredaktionen in Serbien und im Kosovo besucht und Interviews zu den Arbeitsbedingungen und den allgemeinen Verhältnissen vor Ort geführt.

Im folgenden Interview mit FNF Westbalkan erklären Maric und Seferi, wie sie auf die Idee kamen, diesen Film zu produzieren und was sie während der Dreharbeiten erlebt haben.

Milena, du bist eine Soziologin aus Serbien hast Erfahrung im Drehbuchschreiben, und du, Idriz, ein Journalist aus dem Kosovo mit Erfahrung im Dokumentarfilmbereich, der in Belgrad lebt und arbeitet. Woher kam die Idee, diesen Dokumentarfilm zu machen?

Wir kennen uns seit mehr als 15 Jahren und haben immer viel über die Beziehungen zwischen Serbien und dem Kosovo und deren Auswirkungen auf die Menschen gesprochen. In der Zwischenzeit ist viel passiert – der Kosovo hat seine Unabhängigkeit erklärt und es gab verschiedene kleinere und größere Zwischenfälle, politische Provokationen, offene Zollfragen und anderes. Selbst jetzt ist die Situation relativ angespannt. Aber in all diesen Jahren fehlte es an objektiven und sachlichen Informationen. Was wurde wo unterzeichnet? Wer hat sich worauf geeinigt? Bei all diesen Ereignissen waren Zehntausende von Menschen auf beiden Seiten zur Zusammenarbeit bereit. Die Situation ist nicht dieselbe wie in Bosnien und Herzegowina, Kroatien oder Montenegro. Serben und Albaner sprechen keine ähnliche Sprache. Fast alles liegt daher auch in der Verantwortung der Medien. Doch wenn die Medien von Politikern kontrolliert werden, dann liegt auch alles in deren Händen. Wir wollten herausfinden, wie die Dinge aussehen würden, wenn diese Barriere überwunden wäre. Was denken eigentlich die Journalisten, Journalistinnen und Redakteure der Lokalredaktionen über all das?

Mit welchen Herausforderungen wurden Sie vor Ort konfrontiert? Gab es unangenehme Situationen, die sich daraus ergaben, dass eine Serbin und ein Albaner aus dem Kosovo einen Dokumentarfilm über Lokalredaktionen drehen?

Als wir die Einzelheiten der Reise vereinbarten, sagte mir Idro, dass ich einen Kulturschock erleben würde, weil es mein erster Besuch im Kosovo sein würde. Diese „Ankündigung" ließ mich eine gewisse Rückständigkeit und Unterentwicklung vermuten. In Wirklichkeit war es genau das Gegenteil! Viele Menschen aus dem Kosovo leben in Westeuropa, aber pflegen enge Beziehungen zu ihren Familien, sie unterstützen diese finanziell und kommen zu Besuch. Dies hat den kosovarischen Städten mit einer großen Diaspora das Image entspannterer europäischer Städte verliehen. Während der Reise hatten wir keine Probleme oder Unannehmlichkeiten; alle waren äußerst herzlich und hilfsbereit. Es ist klar, dass die Bindungen zwischen den Menschen trotz nationaler und politischer Trennung immer noch sehr stark sind. Die Menschen leben am selben Ort. Unser Filmteam war serbisch-albanisch, und so ist auch dieser Dokumentarfilm entstanden. Eine der versteckten Botschaften dieses Films lautet: Wir können und sollten gemeinsam an wichtigen, aber auch schönen Dingen arbeiten!

Eingang zu TV Mitrovica

Die serbische Soziologin Milena Maric und der albanische Journalist Idriz Seferi.

Mitrovica ist eine Stadt im Norden des Kosovo. Sie wird durch den Fluss Ibar in einen nördlichen, überwiegend serbischsprachigen Teil und einen südlichen, überwiegend albanischsprachigen Teil geteilt.

Was haben Sie nach den Dreharbeiten entdeckt oder als zusätzlichen Bedarf gesehen, der die Arbeit der Lokalredaktionen erleichtern und die Medienfreiheit verbessern würde?

Auch wenn wir noch nicht alles fertiggestellt und das Material noch nicht gesichtet hatten, wurden unsere ersten Hypothesen bereits während der ersten beiden Dreharbeiten bestätigt. Der Druck des Regimes, insbesondere auf die lokalen Medien, ist enorm und wird oft auf subtile Weise durch finanziellen Druck ausgeübt. Die Unabhängigkeit der lokalen Medien ist ein fast unerreichbares Ideal. Die Leserschaft ist klein und begrenzt, die Werbeanzeigen sind relativ billig und reichen nicht aus, um die Ausgaben zu decken.

Ein großes und weit verbreitetes Problem für die Medien ist die Rechere und Informationsbeschaffung. Wir sprachen mit Redaktionen, deren Redakteure und Journalistinnen sich an professionelle Standards und journalistische Ethik-Codes halten. Fast alle berichteten übereinstimmend, dass es gängige Praxis vor Ort ist, dass Beamte für keine Auskünfte erreichbar sind. Sie selbst werden nicht zu Pressekonferenzen eingeladen. In einigen Fällen sind die Redaktionen direkten Attacken ausgesetzt, beispielsweise durch Plagiate oder das Hacken der Websites.

MEHR ÜBER DIE MENSCHENRECHTSARBEIT DER FRIEDRICH-NAUMANN-STIFTUNG FÜR DIE FREIHEIT FINDEN SIE AUF:

humanrights.freiheit.org