OSTAFRIKA

MIT BILDUNG GEGEN SEXUALISIERTE UND GESCHLECHTSSPEZIFISCHE GEWALT

Interview mit Elizabeth Mushi, KWIECO-Ausbilderin

Welche Erfahrungen haben Sie bei Ihrem Engagement gegen geschlechtsspezifische Gewalt gemacht?

Die meisten Gemeinschaften kennen die verschiedenen Arten von geschlechtsspezifischer Gewalt nicht und sind sich der Auswirkungen auf die menschlichen Entwicklungsindizes nicht bewusst. Nicht nur Frauen und Kinder sind Opfer von geschlechtsspezifischer Gewalt, auch Männer sind davon betroffen. Männer zögern jedoch eher, Anzeige zu erstatten und formalen Zugang zur Justiz zu erhalten. Leider widerspricht das traditionelle System der Konfliktlösung einer Anzeige von geschlechtsspezifischer Gewalt. Anzeigen werden als Fluch für die Opfer angesehen: Der Gewalttäter hat das Recht auf Vergebung, wenn er oder sie die Gewalttat zugibt und um Vergebung bittet.

Die Kultur gilt als eine der Herausforderungen auf dem Weg zu einer Gesellschaft, die frei von geschlechtsspezifischer Gewalt ist. Wie gehen Sie als Trainerin damit um und welche Instrumente haben sich als nützlich erwiesen, um einen konstruktiven Dialog anzuregen?

Es stimmt, dass die Kultur eine Herausforderung darstellt, um erst eine Gesellschaft zu schaffen, die frei von geschlechtsspezifischer Gewalt ist. Der am häufigsten genutzte und produktivste Ansatz, den wir anwenden, ist die Einbindung traditioneller Führungspersönlichkeiten. So können wir einen konstruktiven Dialog initiieren: Wir schulen sie und setzen uns dafür ein, dass sie Botschafter des Wandels werden. Unser Ziel ist, dass sie Verhaltensänderungen unterstützen und zwar gegenüber verbreiteten Einstellungen und Praktiken, die geschlechtsspezifische Gewalt in den Gemeinschaften aufrechterhalten. Wir entwickeln gemeinschaftliche Aktionspläne, organisieren ergebnisorientierte Treffen und teilen den Fortschritt von Veränderungen mit, indem wir sichtbar Ergebnisse verkünden. Wir nehmen auch an Foren teil, um die Gemeinschaft einzubinden. Wir diskutieren über Geschlecht und grundlegende Gemeinschaftsgesetze (u. a. Erbschaft, Testamentserstellung, Heirat, Land- und Kinderrechte) und über Menschenrechte und deren rechtliche Verpflichtungen. Dieser gezielte Ansatz hat erst das Verständnis für die Achtung der Menschenrechte in den Gemeinden erhöht. Mit Schulungen von Menschenrechtsverteidigern, Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen des Justizwesens beabsichtigen wir neue Unterstützer aufzubauen, die geschlechtsspezifische Arbeit unmittelbar umsetzen können. Dazu vermitteln wir ihnen die relevanten Gesetze Tansanias, die Verfassung, den Nationalen Aktionsplan zur Beendigung der Gewalt gegen Frauen und Kinder und internationale Protokolle. Durch dieses umfassende Vorgehen ist es uns gelungen, auch Regierende daran zu erinnern, wie wichtig bereits die ethische Verantwortlichkeit im Umgang mit geschlechtsspezifischen Fragen ist.

Wie sehen Sie die Chance den Gender-Gap durch Schulungen in den Gemeinden, mit denen Sie gearbeitet haben, tatsächlich zu überwinden?

Die Situation ist vielversprechend, obwohl noch viel Arbeit vor uns liegt. Wir können beobachten, dass allgemein das Wissen über Menschenrechte gestiegen ist, aber auch die praktische Anwendung dieses Wissens. Die bestehende Diskrepanz zwischen den Geschlechtern, wenn es beispielsweise um den Zugang zu Bildung und die unterschiedliche Rolle in der Gesellschaft geht, ist inzwischen bei der Regierung angekommen. Die regionale Regierung, mit der wir zusammenarbeiten, ist sogar ein wichtiger Bestandteil unserer Maßnahmen. Diskriminierung aufgrund des Geschlechts ist vor allem auf dem Arbeitsmarkt noch immer eine riesige Herausforderung. Dies erfordert langfristige Maßnahmen. Das Verständnis für Erziehung und Familie muss in der außerschulischen Bildung vermittelt werden, ebenso wie im Unterricht in den Schulen.

Schulungs- und Trainingseinheiten finden in den Gemeinden statt.

Durch direktes Engagement wird das Bewusstsein gestärkt.

Human Rights School Clubs bei der Arbeit – Eine Diskussion über geschlechtsspezifische Gewalt.

Das Wissen über Menschenrechte ist gestiegen. Das zeigt sich auch daran, dass sich immer mehr Teilnehmer zu Wort melden und mitdiskutieren.

MEHR ÜBER DIE MENSCHENRECHTSARBEIT DER FRIEDRICH-NAUMANN-STIFTUNG FÜR DIE FREIHEIT FINDEN SIE AUF:

humanrights.freiheit.org