MEXIKO

DENUNCIA.ORG – GEGEN STRAFLOSIGKEIT

Nach Angaben des Nationalen Instituts für Statistik und Geografie (IEGI) wurden im Jahr 2020 in Mexiko mehr als 33 Millionen Straftaten verübt; davon waren 36.000 Tötungsdelikte. Die nationale Studie „Hallazgos", die von der Denkfabrik México Evalúa erstellt wurde, ermittelt für das Jahr 2019 eine Straflosigkeit von 92,4 %. Weniger als 8 % aller registrierten Fälle wurden erfolgreich verfolgt und führten zu einer Verurteilung.

Diese Zahlen führen zwangsläufig zu der Erkenntnis, dass die Behörden bei der Durchführung von Trainingsmaßnahmen vor Ort unterstützt werden müssen, um bessere Kompetenzen zur Strafverfolgung aufbauen zu können. Die Problematik der Straflosigkeit beginnt jedoch schon damit, dass keine Anzeigen erstattet werden. Von 100 Straftaten werden nur zehn angezeigt. Häufig erstatten Opfer keine Anzeige, weil sie glauben, dass es Zeitverschwendung ist und sie den Behörden nicht vertrauen. Der Kampf gegen Korruption und Straflosigkeit hängt in hohem Maße davon ab, dass Betroffene ihre Rechte einfordern und eine Straftat anzeigen. Doch dies ist kein einfacher Prozess. Denuncia.org ist eine von Impunidad Cero entwickelte Online-Plattform. Sie enthält Informationen über Verbrechen und darüber, wie man diese anzeigen kann. Eine geografische Auflistung der öffentlichen Ministerien erklärt Opfern, wohin sie sich wenden müssen, um eine Anzeige zu erstatten. Die Plattform bietet eine Übersicht an Informationen von zivilgesellschaftlichen Organisationen, die Opfer während des Prozesses begleiten. Interaktiv wird über Verbrechen bzw. Straftaten wie sexuellem Missbrauch, Diskriminierung, Erpressung, Betrug, Diebstahl, digitaler Gewalt, Mord und Femizid aufgeklärt. Innerhalb des ersten Jahres nach dem Start der Plattform haben mehr als 114.000 Nutzerinnen und Nutzer die Seite aufgesucht; durchschnittlich 1.000 Personen pro Tag. Fast 90 % der Nutzerinnen und Nutzer kommen aus Mexiko. Die Webseite wird jedoch auch von Menschen aus den Vereinigten Staaten, Spanien, Peru und Kolumbien besucht. Angesichts der Pandemie konzentrierten sich viele Länder auf die Wiederbelebung der Wirtschaft, die jedoch dauerhaft mit der Förderung und dem Schutz der Menschenrechte einhergehen muss, um nachhaltig erfolgreich und inklusiv zu sein. Durch die Digitalisierung der Justiz und das digitale Beschwerdesystem werden transparente Verfahren für Opfer möglich. In Ländern mit einer schwachen Rechtsstaatlichkeit wie Mexiko kann die Integration von Technologien die Durchsetzung von Menschenrechten verbessern und einen Beitrag dazu leisten, Straflosigkeit und Korruption zu verringern.

MEHR ÜBER DIE MENSCHENRECHTSARBEIT DER FRIEDRICH-NAUMANN-STIFTUNG FÜR DIE FREIHEIT FINDEN SIE AUF:

humanrights.freiheit.org