ÄGYPTEN

BEKÄMPFUNG FUNDAMENTALISTISCHER STEREOTYPE ÜBER FRAUEN

Maher Gabra (Produzent und Moderator des Podcasts): Was ist die Hauptaussage im Diskurs von Fundamentalisten über Frauen? Aus der Sicht vieler Fundamentalisten hat eine Frau immer Schuld: Wenn sie zur Arbeit geht, wenn sie sich mit Männern einlässt, wenn sie Parfüm aufträgt. Wird sie dann belästigt, ist sie schuld, schließlich sei sie selbst die „Quelle der Verführung". Sogar von ihrem Ehemann muss sie Gewalt erdulden, wenn er behauptet, seine Misshandlungen seien auf den „Erhalt der Familienstrukturen" zurückzuführen. Die Handlungen, Überzeugungen und Entscheidungen einer Frau werden kritisiert und in Frage gestellt, insbesondere dann, wenn sie versucht, in ihrem Leben etwas Besseres zu erreichen.

Rabab Kamal (Schriftstellerin und Wissenschaftlerin): Es gibt einen Diskurs, den wir „den Diskurs über Frauen und Verführung" nennen. Er besagt, dass Frauen die Ursache aller Probleme sind und diese Probleme nicht lösen, es sei denn, sie kehren alle zurück zu Heim und Herd. Es gibt viele Interpretationen und Schattierungen, auch der Fundamentalismus selbst geht ja schließlich nicht auf einen einzigen Mann zurück. Aus dem Verständnis heraus, einige fundamentalistische Interpretationen seien weniger fundamental als andere, glauben auch heute noch viele, dass Frauen überhaupt nicht arbeiten sollten. Aber die eigentliche Problematik besteht nicht in der Anti-Haltung gegenüber Frauen in einflussreichen Positionen. Das Problem liegt vielmehr in der fundamentalistischen Wahrnehmung der Frauen, die auf der Straße laufen, der Frauen, die überall leben und arbeiten. Aufgrund der weitverbreiteten diskriminierenden Haltungen werden viele Frauen belästigt, sowohl in der Öffentlichkeit als auch am Arbeitsplatz. Es gibt hier eine sehr gefährliche Redeweise, die ich als einen „Freibrief der Belästigung in Gottes Namen" bezeichne. Einige Fanatiker und Fundamentalisten lehren ihren Anhängern, dass Frauen, die nicht verschleiert sind oder auf der Straße lachen, eine Ablenkung von den eigenen Aufgaben seien. Nach dieser Überzeugung rechtfertigt das Verhalten von Frauen jede Form von Belästigung. Wir bezeichnen dies deshalb als eine „Belästigung in Gottes Namen", weil es den Versuch darstellt eine unmoralische Handlung, die Belästigung, in eine moralisch gerechtfertigte umzuwandeln und Frauen so zurecht zu weisen.

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