GEORGIEN

TBILISI PRIDE 2021

Mehrere Tausend friedliche Demonstranten protestierten gegen Gewalt und Homophobie.

Es sollte der Abschluss der „Pride Week" sein – ein „Marsch der Würde und für Solidarität" auf dem Rustaveli-Prospekt im Zentrum der georgischen Hauptstadt Tiflis. Stattdessen wird der 5. Juli 2021 für lange Zeit als absoluter Tiefpunkt der Intoleranz in Erinnerung bleiben.

Der Marsch wurde gewaltsam beendet, bevor er sich überhaupt vollständig in Bewegung setzen konnte: Bereits in den Morgenstunden hatten sich Gruppen junger, meist schwarz gekleideter Männer an mehreren zentralen Punkten in Tiflis versammelt und damit die Grundlage für einen beispiellosen Ausbruch gewalttätiger Schlägereien gelegt. Im Laufe des Tages kam es an mehreren Orten zu gewalttätigen Ausschreitungen. Der Marsch musste schließlich abgebrochen werden. Die gewaltsame Beendigung der Tbilisi Pride erhielt internationale Aufmerksamkeit und löste weltweit Solidaritätsbekundungen aus. Bereits am nächsten Tag versammelten sich mehrere tausende friedliche Demonstranten auf der Rustaveli Avenue, um gegen die massive Gewalt und Homophobie zu protestieren. Die Oppositionsparteien „Girchi – Mehr Freiheit", „Europäisches Georgien" und verschiedene Nichtregierungsorganisationen hatten zu dieser Kundgebung aufgerufen, an der auch LGBTQI-Aktivisten teilnahmen. Diese positiven Unterstützungsproteste, die eine friedliche Meinungs- und Versammlungsfreiheit einfordern und Homophobie und Gewalt verurteilen, sind ebenso tief in der georgischen Gesellschaft verwurzelt, wie die aggressive Gegenseite, die am Tag zuvor aufgelaufen war und die Pride verhindert hatte. Hinter diesen Kämpfen zwischen „traditionalistischen" und liberalen Werten verbirgt sich das politische Nebeneinander der pro-russischen Bündnisse in Georgien neben den pro-europäischen bzw. pro-NATO Gruppierungen.

Demonstranten, eingewickelt in EU- und Regenbogenflaggen.

Georgiens Nationalflagge in Regenbogenfarben.

Diese Proteste - für Meinungs- und Versammlungsfreiheit, gegen Homophobie und Gewalt, aber auch für die Gegenseite - scheinen tief in der georgischen Gesellschaft und Politik verwurzelt zu sein.

MEHR ÜBER DIE MENSCHENRECHTSARBEIT DER FRIEDRICH-NAUMANN-STIFTUNG FÜR DIE FREIHEIT FINDEN SIE AUF:

humanrights.freiheit.org