RAIF BADAWI AWARD

2021

„Seine investigativen Arbeiten sind geprägt von der kontinuierlichen Suche nach belastbaren Beweisen. Er ist unerschrocken und geht bei seinen Recherchen immer wieder große Risiken ein.“

Der diesjährige Raif-Badawi-Preis für mutigen Journalismus ging an den türkischen Journalisten Alican Uludağ. Damit würdigte die Jury nicht nur den Preisträger selbst, sondern alle Journalisten in der Türkei, die sich trotz der Gefahren und Risiken nicht einschüchtern lassen und die Öffentlichkeit weiterhin mit Informationen versorgen.

Alican Uludağ hat sich in den vergangenen Jahren vor allem als investigativer Reporter an den Hohen Gerichten in der Türkei einen Namen gemacht – immer dann, wenn es in Verfahren um Menschenrechtsverletzungen durch staatliche Behörden, Justizmissbrauch und Korruptionsfälle in den Rängen der Regierungspartei ging.

In einer Zeit, in der die Mehrheit der türkischen Bürgerinnen und Bürgerinnen den Medien nicht mehr vertraut, ist die Arbeit von Alican Uludağ und anderen unabhängigen Journalisten von größter Bedeutung. „Seine investigativen Arbeiten sind geprägt von der kontinuierlichen Suche nach belastbaren Beweisen. Er ist unerschrocken und geht bei seinen Recherchen immer wieder große Risiken ein“, hieß es in der Jurybegründung für den Preis, der dieses Jahr zum siebten Mal gemeinsam von der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit und dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels vergeben wurde.

Auch wenn seine Artikel in der Türkei für sehr viel Aufsehen sorgen, Konsequenzen hätten sie kaum, so Uludağ – keine Ermittlungen, keine Entlassungen, keine Rücktritte. Dafür ist das türkische Justizsystem zu stark unter der Kontrolle des Präsidenten und seiner Partei. Das Präsidialsystem „a la Turca“ ermöglicht es dem Präsidenten, die Hohen Gerichte und den „Rat der Richter und Staatsanwälte“ nach seinen Gunsten zu besetzen und somit wichtige Entscheidungen maßgeblich zu lenken. Wichtigste Beispiele für die Politisierung der türkischen Justiz sind die Fälle Kavala und Demirtaş, die schon seit Jahren ohne eine schriftliche Anklage inhaftiert sind.

„Journalismus erfordert Mut ... “

In seiner Dankesrede unterstrich Uludağ die wichtige Rolle der Medien und der Justiz für eine funktionierende Demokratie: „In Ländern, in denen die Medien nicht frei und die Justiz nicht unabhängig ist, können Bürgerinnen und Bürger an den demokratischen Prozessen nicht umfänglich teilnehmen. Wenn sie von den Medien nicht genügend und korrekt informiert werden, können sie unmöglich ihren wahren politischen Willen an der Wahlurne durchsetzen“. Die Justiz in seinem Land bezeichnete er als ein Werkzeug des Machtapparates, die Medien und die Opposition einzuschüchtern.

Doch all dieser Druck und die Risiken sind für Uludağ kein Grund, mit dem Journalismus aufzuhören. In seiner Rede würdigte er prominente Journalisten und Journalistinnen seines Landes, die in der Vergangenheit für ihre Arbeit mit ihrem Leben bezahlen mussten und fügt hinzu: „Journalismus erfordert Mut – Mut zum Recherchieren, Mut zum Hinterfragen und Mut, gegen alle Mächtigen dieser Welt zu berichten“.

Alican Uludağ

Der diesjährige Preisträger Alican Uludağ (2. v. r.) mit dem Mitbegründer des Preises, Constantin Schreiber (r.), Ensaf Haidar, der Ehefrau von Raif Badawi (3. v. r.), dem Vorstandsvorsitzenden der Friedrich-Naumann-Stiftung, Prof. Karl-Heinz Paqué (2. v. l.) und Alexander Skipis (l.), Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels

Preisverleihung des Raif Badawi Award 2021

MEHR ÜBER DIE MENSCHENRECHTSARBEIT DER FRIEDRICH-NAUMANN-STIFTUNG FÜR DIE FREIHEIT FINDEN SIE AUF:

humanrights.freiheit.org